Geschichte der Burg Forchtenstein
Baugeschichte der Burg Forchtenstein
Burg Forchtenstein gilt als das Wahrzeichen des Burgenlandes. Hoch über dem Wulkatal, auf einem Ausläufer des Rosaliengebirges gelegen, ist die Burg weithin sichtbar. Charakteristisch ist der Bergfried, der die Anlage überragt. Er ist der älteste Teil der Burg und stammt zum Teil noch aus dem Mittelalter.
Bauherren der mittelalterlichen Burganlage waren die Mattersdorfer Grafen, die sich nach ihrem neuen Wohnsitz auch Herren von Forchtenstein nannten. Aus dieser Zeit stammen der Bergfried mit dem Wappen der Mattersdorfer Grafen und der große Turm. Um 1450 starb das Geschlecht im Mannesstamme aus und die Burg kam für 170 Jahre in den Besitz der Habsburger, die sie an die Grafen von Weißpriach und Hardegg verpfändeten. In dieser Zeit erfuhr die Burg keine wesentlichen baulichen Veränderungen.
Übergang in die Besitztümer um 1622
1622 erhielt Nikolaus Esterházy von Kaiser Ferdinand II. Burg und Herrschaft Forchtenstein als Ersatz für die Abtretung der Herrschaft Munkacs in Nordostungarn an den Fürsten von Siebenbürgen Gabor Bethlen. Bereits vier Jahre später wurde sie, verbunden mit dem Erbgrafentitel, erblicher Besitz. Palatin Nikolaus Graf Esterházy begann danach mit dem Ausbau der baufälligen Burg zu einer mächtigen Festung. Es entstand ein gut befestigter Basteiengürtel; ab 1632 ließ er die Burgkapelle, ab 1642 die Schatzkammer, sowie neue Wohntrakte errichten.
Ausbau des Hochschlosses
Sein Sohn Paul begannn nach Plänen von Domenico Carlone, ausgeführt von dem fürstlichen Baumeister Simone Retacco, mit dem Ausbau des Hochschlosses ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auch auf die künstlerische Ausstattung der Baulichkeiten legte man großen Wert. Dekorative Wandmalereien, Eingangsportale mit Skulpturenschmuck, ein barockes Reiterstandbild, sowie ein 2,5 Meter langes Krokodil, das 1707 aufhängt wurde, veredelten die wehrhafte Anlage.
Von der Festung zum Familientresor
Nach dem Tod von Fürst Paul änderte sich auch der Zweck der Festung. Sie diente nicht mehr als sicherer Wohnsitz, sondern als Tresor für alles Wertvolle, für das Archiv, und als Waffenarsenal der fürstlichen Truppen.
Umbauarbeiten und Restaurierung
In den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts erfolgte unter dem fürstlichen Baumeister Ferdinand Mödlhammer die Anhebung und Erneuerung des Dachstuhles, sowie eine Renovierung und Sanierung der Innenräume. 1887 wurde die barocke Burgkapelle von Franz Storno im Geschmack des Historismus restauriert. Im Jahr 2000 wurde sie abermals genaralsaniert. Die barocken Wandmalereien des Innenhofes wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrmals übertüncht. Die seit 1993 laufende Freilegung der Wandmalereien konnte 2004 abgeschlossen werden. Die Hochburg präsentiert sich nun als farbenprächtiges barockes Ensemble, das in seiner Art nördlich der Alpen einzigartig ist.
Barocke Wandmalereien im Innenhof des Hochschlosses
Seit Gründung der Esterházy Privatstiftung ist es gelungen, Burg Forchtenstein durch umfangreiche und aufwendige Restaurierungen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und für die Nachwelt zu erhalten. Besonders hervorzuheben sind die Freilegung und Konservierung der Wandmalereien im Innenhof, die die einstige Farbenpracht und den Glanz des barocken Schlosses zurückholen.
Barocker Glanz auf Burg Forchtenstein
Charakteristisch für ungarische Adelssitze im 17. Jahrhundert waren deren wehrhafte Erscheinung nach außen sowie die barocke Prachtentfaltung im Inneren. Burg Forchtenstein ist das einzig komplett erhaltene Beispiel dafür. Nach der Erhebung Paul I. Esterházys in den Reichsfürstenstand 1687 machte er die Burg zu seinem fürstlichen Stammsitz und Zentrum seiner Kunstsammlungen. Die Neugestaltung der Burg durch Wandmalereien und Aufstellung seines Reiterstandbildes wurden 1691 abgeschlossen und machten sie zum Ort höfischer Pracht.
Wandmalereien
Der Innenhof diente als barocker Festsaal und ist somit Zentrum der Burganlage und gestalterischer und inhaltlicher Höhepunkt. Die barocken Wandmalereien in farbenprächtiger Scheinarchitektur (Secco-Technik) mit Säulen, Gesimsen und 130 Kaiserportäts ersetzten eine plastische Wandgestaltung und gelten mit ihren fast 1.000 m² als die größten nördlich der Alpen.
Restaurierung der Fassade im Innenhof
Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts erschienen die Malereien nicht mehr zeitgemäß und wurden übertüncht. Diese Kalktünchen erwiesen sich Anfangs als guter Schutz für die Malereien; durch negative Umwelteinflüsse, wie sauren Regen, verwitterten sie aber zunehmends.
Bakterien und Pilze zerstörten die organischen Bindemittel der Malschicht, Vergipsung (Umwandlung der Kalkanteile der Malschicht) und Versinterung (Kalk setzt sich als Kruste an der Oberfläche ab) taten ihr Übriges. In den Jahren von 1991 - 2005 ist es der Esterházy Privatstiftung mit der Hilfe des Bundesdenkmalamtes und der Burgenländischen Landesregierung gelungen, die bemerkenswerten Wandmalereien in aufwendigen und kostenintensiven Restaurierungen zu erhalten.
Festsaal des Hochschlosses
Die fehlenden Teile der Fassadenmalerei - auf der West- und Nordfassade ist die Malerei weitgehend verloren - wurden nur dort zurückhaltend ergänzt, wo es sich um rein dekorative Elemente handelte. So ist es gelungen, die barocke Pracht des Innenhofes für Besucher wieder erlebbar zu machen. Der Innenhof, de facto der Festsaal des Hochschlosses, ist nun ein repräsentativer Ausgangspunkt der Führungsrundgänge und hochkarätiges Entree für den Besucher der Burg.
Die Repräsentationsräume des Hochschlosses: Farben des Barock
Gezeigt wird die Esterházy-Ahnengalerie im Glanz der Repräsentations- und Wohnräume im Hochschloss der Burg Forchtenstein.
Die leuchtenden Farben des Barock
Die historischen Räume mit ihren großen Kaminen und Öfen, Wandmalereien und prachtvollen barocken Türen wurden in den letzten zwei Jahren umfassend restauriert. Sie erstrahlen nach nahezu unsichtbarem Einsatz von moderner Museums- und Sicherheitstechnik wieder in den leuchtenden Farben des Barock.
Diese farbenprächtige Opulenz mag für moderne Augen ungewöhnlich erscheinen, zeigt jedoch mit den Ahnenbildern ein stimmiges Gesamtkunstwerk barocker Farbkraft.
Aufwändige Restaurierungen
Erstmals sind die in den letzten Jahren aufwändig freigelegten farbenprächtigen Malereien mit Rankenwerk und allegorischen Figuren zu sehen, welche ein Bild vom barocken Leben in den Burgen des 17. Jahrhunderts geben. Mit großem finanziellem Aufwand wurden auch fast 20 barocke Türen restauriert und in ihre historische Farbigkeit zurückversetzt.
Das noble Anthrazit der Türen hebt sich wirkungsvoll von den in den originalen Farben wiederhergestellten Wänden ab. Glanzlichter sind die Darstellung eines kleinen Putto, der seifenblasend die Vergänglichkeit darstellt und die farblich üppigen Marmorierung einiger Türen in den ehemals fürstlichen Wohnräumen.
Die im 17. und 18. Jahrhundert übliche Bezeichnung der Burg Forchtenstein als Schloss wird somit erstmals wieder erlebbar.
Das Archiv der Burg Forchtenstein
Auf Burg Forchtenstein befindet sich ein Teil des Fürstlichen Esterházyschen Archivs. Die hier aufbewahrten Archivalien dokumentieren die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Familie Esterházy und geben Aufschluss über ihre Geschichte.
Beginn des Archivs
Das Archiv dürfte bereits vor der Ära Esterházy auf Burg Forchtenstein begonnen worden sein, denn ein Übernahmeinventar aus dem Jahr 1622 erwähnt einen bereits ziemlich umfangreichen Archivbestand aus Urbaren, Waisenbüchern und Protokollen.
Rasches Wachstum
Die Archivierung von Aktenmaterial wurde von der Familie Esterházy konsequent betrieben, was zur Folge hatte, dass das rasch anwachsende Archiv immer mehr Raum erforderte. Im Zuge der Erweiterung des Südtraktes im frühen 17. Jh. wurden anschließend an die Kapelle neue Archivräume errichtet. Neben der Schatzkammer wurde außerdem ein Archivraum eingerichtet, in dem in der Folge die wichtigsten Besitzurkunden und Familiendokumente aufbewahrt wurden.
Teilung des Archivs
Als 1921 die Esterházyschen Güter in einen burgenländischen und einen ungarischen Teil getrennt wurden, wurde auch das Archiv geteilt. Familiär bezogene Schriften gelangten damals nach Budapest in das Ungarische Staatsarchiv. Das Wirtschaftsarchiv der Familie Esterházy verblieb auf Burg Forchtenstein.
Archivalien in 10 km Länge
Insgesamt werden heute 25 Räume als Archiv genutzt. Die Archivalien ergeben aneinander gereiht eine Länge von ca. 10 km!
Erhaltungsmaßnahmen und wissenschaftliche Erforschung
Im Jahr 2000 wurde gemeinsam mit dem Burgenländischen Landesarchiv begonnen, wichtige und besonders gefährdete Bestände zu verfilmen. Mittels Lesegerät (Readerprinter) können die Mikrofilme von den Forschern eingesehen, Kopien ausgedruckt bzw. die Daten auf elektronische Datenträger überspielt und somit weiterverarbeitet werden. Diese Mikroverfilmung wird auch heuer wieder im Umfang von 20.000 Seiten fortgesetzt. Die ältesten Urbare der Herrschaft Forchtenstein und Eisenstadt (ab 1526) werden derzeit am Institut für Papierrestaurierung in Wien restauriert.




